Oton2016september

Nun ist es soweit. Die SPD Führung hat sich entschlossen, dem CETA Vertrag zuzustimmen. Es gibt offensichtlich zwar eine große Anzahl von Mitgliedern der SPD, die sich entschlossen gegen CETA-TTIP ausgesprochen haben, aber das hatte bei dem Konvent keine großen Eindrücke beim Vorstand hinterlassen. Überraschend war das zwar für mich nicht, dennoch will ich meine Enttäuschung, ja man kann sogar sagen mein Entsetzen darüber nicht verhehlen. Die SPD hat die Möglichkeit vertan, ein deutliches Zeichen für mehr Demokratie zu setzen. Ganz im Sinne ihres legendären Vorsitzenden Willy Brandt, der einst die Worte sprach „Wir wollen mehr Demokratie wagen“. Nun hat die SPD-Führung das genaue Gegenteil getan. Sie hat in meinen Augen fahrlässig und ohne Not auf die Einflüsterungen der Wirtschaftslobbyisten gehört und ihren Teil dazu getan, dass die große Gefahr besteht, dass unsere Demokratie durch CETA gewaltigen Schaden nehmen wird, der auch so einfach nicht mehr zu beseitigen sein wird. Die ohnehin schon in der Bevölkerung erheblich vorhandene Politikverdrossenheit wird in meinen Augen durch solche Vorgehensweise verstärkt. Gabriel hätte sich als Wirtschaftsminister besser mal für einen fairen Handel einsetzen sollen, anstatt sich bei den multinationalen Konzernen anzubiedern. Aber bekanntlich ist ja noch nicht aller Tage Abend. In Österreich haben sich die dortigen Sozialdemokraten in einer parteiinternenAbstimmung gegen CETA-TTIP ausgesprochen. Hut ab!!! Die SPÖ kümmert sich um die Belange ihrer Klientel, den Leuten, die auf Grund ihrer persönlichen Situation auf die Hilfe von Fürsprechern wie den österreichischen Sozialdemokraten angewiesen sind. „Hut ab“ liebe Ösis. Von euch könnte so mancher was lernen. Ich wünsche euch und uns, dass ihr es schafft, diese Wahnsinnsabkommen zu kippen. Ihr verdient meinen Respekt für euer Rückgrat, dass ihr hier zeigt. Und lasst euch nicht verunsischern, ihr tut das einzig Richtige gegen diesen Freihandelswahn. Wenn Freihandel nicht frei ist, dann muss er verhindert werden. Es gibt sozialdemokratische Parteivorstände, die ihre Urklientel vernachlässigt haben und sich statt dessen um die politische Mitte kümmern wollen. Doch da gehören Sozialdemokraten nicht hin. Da sind schon andere, die das besser können. – Joachim F. Gogoll -

 

Dieser Text ist all denen gewidmet, die verstehen wollen, wen Tucholsky meinte. Was könnte ich da noch hinzufügen. Es ist mir direkt aus dem Herzen geschrieben. – Joachim F. Gogoll -

An einen Bonzen

Einmal waren wir beide gleich.

Beide: Proleten im deutschen Kaiserreich.

Beide in derselben Luft,

beide in gleicher verschwitzter Kluft;

dieselbe Werkstatt – derselbe Lohn –

derselbe Meister – dieselbe Fron –

beide dasselbe elende Küchenloch …

Genosse, erinnerst du dich noch?

Aber du, Genosse, warst flinker als ich.

Dich drehen – das konntest du meisterlich.

Wir mussten leiden, ohne zu klagen,

aber du – du konntest es sagen.

Kanntest die Bücher und die Broschüren,

wusstest besser die Feder zu führen.

Treue um Treue – wir glaubten dir doch!

Genosse, erinnerst du dich noch?

Heute ist das alles vergangen.

Man kann nur durchs Vorzimmer zu dir gelangen.

Du rauchst nach Tisch die dicken Zigarren,

du lachst über Straßenhetzer und Narren.

Weißt nichts mehr von alten Kameraden,

wirst aber überall eingeladen.

Du zuckst die Achseln beim Hennessy

und vertrittst die deutsche Sozialdemokratie.

Du hast mit der Welt deinen Frieden gemacht.

Hörst du nicht manchmal in dunkler Nacht

eine leise Stimme, die mahnend spricht:

»Genosse, schämst du dich nicht –?«

 

 

Theobald Tiger

Die Weltbühne, 06.09.1923, Nr. 36, S. 248,

Da hatten wir es nun: die Lagerhaltung bei den meisten Firmen ist gegen null heruntergefahren. Das moderne Lager befindet sich zu Lasten der Steuerzahler auf der Autobahn. In ihrer grenzenlosen Arroganz gegenüber dem Staat verlagern Unternehmen wie VW ihr Risiko auch auf den Steuerzahler. VW lag mit seinen Lieferanten im Clinch, die lieferten nicht mehr, VW musste Teile seiner Belegschaft nach Hause schicken und verlagerte die Verantwortung für die Kosten auf den Steuerzahler, indem VW Kurzarbeit anmeldete. Nicht wegen des Wetters, sondern wegen der Fehler seines dilettantischen Managments. Und wir alle schauen zu, ohne zu murren. Vielleicht wäre es mal angebracht, das Kurzarbeitergeld von VW zurückzufordern, wenn man diese Typen nicht anders zur Verantwortung ziehen will. Pro Woche hätten wir Steuerzahler 10 Millionen zahlen müssen. - Joachim F. Gogoll -

 

hier die Oton lesen:      Oton2016august

 

 

je suis le monde (Link zur PDF-Version)

Oton2016juli

 

Nur zur Erinnerung: Europas Anfang war die EWG (Europäische Wirtschaftsgemeinschaft). Von einer politischen Union oder gar von einer sozialen Gemeinschaft war nie die Rede. Die “Vereinigten Staaten von Europa” waren nie gewünscht, schon gar nicht von England , Frankreich und Deutschland. Man hat nur nie mehr offen innerhalb der EU davon geredet. Die einzigen die seit den 80er Jahren zunehmend mehr Bauchschmerzen bekamen, waren die Briten. Und die haben jetzt konsequenter Weise Adieu gesagt. So wie Europa zusammengeschustert wurde, so sollte es nie mehr sein als ein gemeinsamer Binnenmarkt, mit der ausschließlichen Zielsetzung, für die einzelnen EU-Staaten Absatzmärkte zu schaffen. Und das Ziel hat er zumindest für Deutschland erreicht. Der Anteil deutscher Exporte beträgt 75% in die EU-Zone und 49% in die Eurozone. Für die neoliberalen Wirtschaftseliten ging ein Traum in Erfüllung. Für die EU-Staaten begann mit dem Bemühen der BRD, die Lohnstückkosten herunter zu fahren, der Kampf um das Überleben ihrer sozialen Systeme, auch das der Deutschen. Wir haben unsere sozialstaatlichen Ordnungen durch unsere deutsche Wirtschaftspolitik in den RUIN getrieben. Kaum jemand will begreifen, dass wenn alle ihre Lohnstückkosten herunterfahren, gleichzeitig ihre sozialen Standards zerstört werden. Wenn alle exportieren wollen, dann ist keiner mehr da , der importieren kann. So banal ist das. Die EU wird sich reformieren müssen. Das ist längst überfällig. Allein mir fehlt der Glaube dass das nachhaltig geschehen wird. Dafür werden die nationalistischen Strömungen in den einzelnen Ländern weiter gestärkt. Wir werden in der nächsten Zeit nicht nur für ein anderes Europa, sondern verstärkt auch gegen nationalistische Dumpfbacken kämpfen müssen. Ein “Europa der Solidarität” ist zur Zeit nicht en vogue. Leider. Aber wir machen weiter, dass sich das ändert.
Was Junckers Äußerungen über CETA usw. angeht? Was konnte man von ihm anders erwarten? Nur jetzt ist es offiziell und nicht mehr nur eine “verleumderische Vermutung”, wie unsere Gegner es immer behauptet haben.

 


Joachim F. Gogoll

So wie es aussieht ist Großbritannien draußen. Für mich war und ist von meinem 16. Lebensjahr die Idee der „Vereinigten Staaten von Europa“ eine echte politische Zielsetzung. Der Brexit ist ein herber Rückschlag. Als Jugendlicher hatte ich von dieser Idee gehört und war von Anfang an davon begeistert. Klar, ein vereinigtes Europa, das war es doch. Kein Krieg, Wohlfahrt für alle, keine Grenzkontrollen , alles das waren damals die Beweggründe für mich dafür zu sein. Es gab damals die kleine überschauliche EWG (Europäische Wirtschaftsgemeinschaft). So kurz nach dem 2. Weltkrieg erschien mir das die Möglichkeit zu sein, für die Zukunft etwas positives bewegen zu können. Und dann ging es ja auch los. Wirtschaftlich gesehen ging es den beteiligten Staaten alles in allem immer besser. Die EWG wurde in eine EU umbenannt, als immer mehr Staaten dieser Gemeinschaft beitraten. Es kam das europäische Parlament. Wir Bürger konnten wählen. Aber schon da wurde die Lunte gelegt, die heute zum Austritt der Briten geführt hat. Das EU-Parlament wurde nicht wirklich ein Parlament mit Entscheidungsbefugnissen wie zum Beispiel der Bundestag. Zu sehr hatten die einzelnen Staaten, darunter auch die Bundesrepublik Deutschland, das Bedürfnis, diesem EU-Parlament nicht eine solche Machtbefugnis zu geben. Die EU-Kommission, also die Regierungschefs der einzelnen Mitgliedsländer, hatte und hat noch heute bei den wichtigsten Entscheidungen das letzte Wort. Allzuschnell hatten wir EU-Einheits-Befürworter vergessen, dass die EU als eine Wirtschaftsgemeinschaft geplant und angelegt ist. Von einer echten politischen Gemeinschaft, die sich darum bemühen sollte, die „Vereinigten Staaten von Europa“ zu gründen, war allenfalls nur in den Hinterzimmern Brüssels die Rede, aber nicht wirklich in den einzelnen Staaten selbst. Und dann geschah das, was in solchen Fällen häufig geschieht. Die EU wuchs und arbeitete weiter, ohne sich darüber ernsthaft Gedanken zu machen, was mal eines Tages aus ihr werden sollte. Und jetzt zeigt sich, dass das nicht sehr geschickt war. – Joachim F. Gogoll -

Dazu auch die neue Oton Juni 2016

Oton2016juni

Nun geht es auf den 23.6. zu, der Tag, an dem die Briten über ihren Verbleib oder ihren Austritt abstimmen sollen. Welch ein Wahnsinn!!! Schon vergessen? Europa bis 1945? Krieg, Wirtschaftskrisen, jeder für sich und gegen alle.

Und danach? Zusammenarbeit auf wirtschaftlicher Ebene, Grenzen abgebaut, Völkerverständigung in der EU, Wiedervereinigung, weil auch unsere Nachbarn zugestimmt haben.

Und dann: Entsolidarisierung auf breiter Front – nur wegen des Geldes!!! Neoliberale Katastrofenökonomie treibt die Welt und damit auch Europa in die wirstchaftliche Krise, Europa versucht sich durchzulavieren, bisher gelingt das so lala, aufkommender Nationalismus und Rechtsradikalismus als Folge von Terror , Krieg und Flüchtlingsströmen. Jeder ist sich selbst der nächste. Gefahr eines Rückfalls auf Vor-EU-Zeiten wegen eines geistigen Tieffliegertums und eines grenzenlosen Egoismus der beteiligten Menschen und Länder. Wie dumm ist das denn? Ich fasse es nicht!!!

Ich bin Europäer und bleibe es auch. Ich werde für Europa eintreten und kämpfen, solange ich kann. Es gibt für mich keine Alternative. Europa ist nicht alles, aber ohne die EU sind wir alle nichts. Was glauben die Dumpfbacken von EU Gegnern in allen Ländern eigentlich, wie wir ohne eine starke EU die wachsenden wirtschaftlichen Probleme meistern sollen? Jeder für sich allein gegen den Rest der Welt? Was denken die  Anwärter auf einen Gehirnschrittmacher eigentlich, was wirtschaftliche Supermächte wie die USA und China, wie Indonesien und ein wirtschaftlich erstarkendes Indien mit den einzelnen Ländern Europas machen werden, wenn die EU nicht mehr existierenden sollte? Denken die überhaupt? Ich zweifele daran stark.

Joachim F. Gogoll